Professor Rudolf Virchows Nachruf

für José Rizal(1861-1896)

 

Im Jahrbuch, den "Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte" von 1897 schreibt Prof. Rudolf Virchow den folgenden Nachruf (s.u.) auf "Don José Rizal", dessen Aufnahme in die Berliner Gesellschaft am 15.Januar 1887 durch Prof. Virchow erfolgt war und der am 30. Dezember 1896 von den Spaniern in Manila (Luzon/Philippinen) erschossen wurde.

Im gleichen Jahrbuch findet sich der Abdruck des letzten Gedichts von Rizal "El ultimo adios" in Spanisch und in deutscher Übersetzung (von Dr. Eduard Seler), das er in der Nacht vor seinem Tode (30. Dezember 1896) im Kerker niedergeschrieben hatte.

Außerdem zitiert Virchow in diesem Jahrbuch Teile aus einem Aufsatz von Ferdinand Blumentritt über seinen langjährigen Freund José Rizal, dessen Veröffentlichung im "Internationalen Archiv für Ethnographie" gleichfalls 1897 erfolgte (s.u.).        

   

Prof. Rudolf Virchow (1821-1902)

 

Nachruf von Prof. Rudolf Virchow für José Rizal:

    "Don José Rizal von Luzon (Philippinen) war vor 10 Jahren unser Mitglied. Er sprach in der Sitzung vom 28.April 1887 über die tagalische Verskunst. Obwohl damals schon Doktor der Medizin, war er doch ganz erfüllt von patriotischen Gedanken. Das unglückliche Schicksal seines Vaterlandes unter der Herrschaft der Spanier und unter dem Druck eines übermächtigen Klerus bildete den Inhalt seiner meist in das Gewand schöngeistiger Darstellung gekleideten literarischen Produktionen. Als er daher nach längerer freiwilliger Expatriierung nach Spanien zurückkehrte, wurde er der Gegenstand unaufhörlicher Verfolgung. Die wachsende Missstimmung auf den Philippinen und der endliche Ausbruch der Revolution, die noch heute nicht niedergeschlagen ist, wurden zu einem großen Teil ihm zugeschrieben. Schließlich nahm man ihn gefangen und internierte ihn in Mindanao; als er von da nach Manila zurückgebracht und zugleich die Ersetzung des als zu milde betrachteten Gouverneurs durch den General Polaviejo angekündigt wurde, verbreiteten sich sofort die düstersten Gerüchte über das ihm zugedachte Geschick. Diese Besorgnis ist nur zu bald in Erfüllung übergegangen; am 30.Dezember ist er ohne nachgewiesene Schuld erschossen worden.

Wir verlieren in ihm nicht nur einen treuen Freund von Deutschland und deutscher Wissenschaft, sondern auch den einzigen Mann, der Kenntnis und Entschlossenheit genug besaß, um modernem Denken Eingang in jene entfernte Inselwelt zu verschaffen." ...

 

Viele Seiten später im Jahresbericht von 1897 schreibt Prof. Virchow...

......"Don José Rizal, unser früheres Mitglied, ist, wie der Gesellschaft schon früher mitgeteilt wurde, am 30.Dezember in Manila auf Befehl des Gouverneurs, General Polaviejo, standrechtlich erschossen worden. In der Nacht vor seinem Tode schrieb der unglückliche Tagale im Kerker sein "letztes Lebewohl" nieder. Eine Abschrift des schönen Gedichtes ist mir zugegangen. Dasselbe wird, sowohl im Originaltext, als in der vortrefflichen metrischen Übersetzung des Herrn E. Seler, am Schlusse dieses Sitzungsberichtes mitgeteilt werden. Der hohe poetische Wert dieser Dichtung, insbesondere der patriotische und humane Schwung derselben werden dazu beitragen, die Erinnerung an den hochbegabten, edlen Märtyrer zu erhalten.

 ...Herr Ferdinand Blumentritt hat in dem Internationalen Archiv für Ethnographie 1897, X, eine auf authentischen Nachrichten begründete Darstellung der Entwicklung, der Ziele und des Wesens Rizal's veröffentlicht. Daraus möge hier nachträglich angeführt werden, dass derselbe zu Calamba, einem kleinen Städtchen der Provinz La Laguna de Bay auf der Insel Luzon geboren war. Seine Eltern waren Tagalen (Indios). Obwohl ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, wendete er sich bald der Medizin zu, studierte in Manila und Madrid und wurde in letzterem Ort zum Doktor der Medizin und Philosophie promoviert. Seine weiteren Studien führten ihn nach Paris, Heidelberg, Leipzig und Berlin. Von hier kehrte er in sein Vaterland zurück und schrieb seinen berühmt gewordenen Roman "Noli me tangere", dessen freiheitliche Richtung ihm den Hass der Altspanier zuzog und ihn zur Auswanderung zwang. Er lebte dann in wechselnder Folge in Japan, Nordamerika, England, Frankreich und Belgien, wo er seinen zweiten politischen Roman "El Filibusterismo" schrieb. Eine Zeit lang wirkte er dann als praktischer Arzt in Hongkong, wo er sich mit einer Engländerin verheiratete; später ging er nach Britisch-Borneo, wo er beabsichtigte, eine philippinische Bauernkolonie zu begründen. Von da aus erwirkte er sich die Erlaubnis, vorher noch sein Vaterland zu besuchen, wurde dort aber verhaftet und nach Dapitan interniert. Als der Aufstand auf den Philippinen ausbrach, beschuldigte man ihn der Anstiftung. Dreimal wurde ihm der Prozess gemacht, bei dem dritten Male wurde er zum Tode verurteilt.

    In der eingehenden psychologischen Analyse des Mannes, welche Herr Blumentritt geliefert hat, erwähnt derselbe, dass Rizal auch ein feinfühliger Künstler war, von dem er selbst 3 Statuen aus gebranntem Ton besitze: den gefesselten Prometheus, den Sieg des Todes über das Leben und den Triumph der Wissenschaft (des Geistes) über den Tod. Er schließt mit den Worten: "Ein Feind Spaniens ist Rizal nie gewesen."

    Ein wohl getroffenes Bild Rizal's nach einer photographischen Aufnahme ziert den würdigen Nekrolog."   

 

                                                               José Rizal (erschossen 30.12.1896)

                                          

 



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