1978-2003

25 Jahre Rizal-Park - Wilhelmsfeld (Odenwald):

Ehrungen für Rizals Wegbegleiter in Europa

im Rizal-Park in Wilhelmsfeld

am 21. Juni 2003:

Vor 25 Jahren: Aufstellung der Rizal-Statue, Gründung des Rizal-Parks:

2. September 1978 - Enthüllung der Rizal-Statue durch den Botschafter der Philippinen, Gregorio Abad, und Rita Weyand, Präsidentin der Deutsch-Philippinischen Gesellschaft  (Photo Manfred Holtzmann)

  

25 Jahre später - am 21. Juni 2003 im Rizal-Park, Wilhelmsfeld:

Enthüllungen von 4 Büsten und einer großen Gedenktafel:

Vier namhafte Zeitgenossen und Freunde Dr. José Rizals während seines Aufenthaltes in Europa: Prof. Otto Becker (Augenklinik Heidelberg), Prof. Rudolf Virchow (Berlin), Prof. Ferdinand Blumentritt (Leitmeritz) und Pastor Karl Ullmer (Wilhelmsfeld) fanden ihre besondere Ehrung durch die Aufstellung ihrer Büsten im Rizal-Park. Je zwei Büsten stehen auf einem gemeinsamen Sockel aus hellem Elbsandstein im Halbkreis hinter der Rizal-Statue. Die Bronzebüsten wurden von dem tschechischen Künstler Libor Pisklàk aus Leitmeritz gefertigt. Gegenüber der Rizal-Statue und den beiden Stelen wurde ein Gedenkstein - ebenfalls aus Elbsandstein - aufgestellt, auf dem sich ein Bericht über das Leben Dr. José Rizals und Würdigungen seiner vier Zeitgenossen und Freunde befinden. 

1978 wurde die Rizal-Statue aufgrund einer Initiative der Deutsch - Philippinischen Gesellschaft an einem großen Springbrunnen mit 8 Elementen, die die Inselwelt der Philippinen symbolisieren, aufgestellt und am 2. September 1978 in einer Feier zur Gründung des Rizal-Parks wurde diese von Caedo geschaffene Statue enthüllt durch den Botschafter der Philippinen, Seine Excellenz Gregorio G. Abad, in Gegenwart des damaligen Bürgermeisters von Wilhelmsfeld, Manfred Holtzmann, und der Präsidentin der Deutsch-Philippinischen Gesellschaft, Rita Weyand (siehe Photo oben). 

25 Jahre später wurde nun die feierliche Enthüllung der vier Büsten und eines großen Gedenksteines vorgenommen in Gegenwart der Botschafterin der Philippinen, Frau Minerva Falcon, der Bürgermeister von Leitmeritz, Herrn Ladislav Chlupàc, und von Wilhelmsfeld, Herrn Hans Zellner, des Initiators der Aktion, des Mitgliedes des Wilhelmsfelder Chapters und Urenkels von Pastor Karl Ullmer, Herrn Dr. Fritz Hack-Ullmer, der Mitglieder des Wilhelmsfelder Chapters und ihres Leiters, Herrn Rainer Weber, und vieler Mitglieder weiterer Chapter aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Tschechien und den Philippinen, aus Manila kam Sir Carmelo Gempesaw, der Supreme Commander der Knights of Rizal.  

 

                            

            Zwei Büsten vor ihrer Enthüllung

Die Büsten von Prof. Otto Becker (1828-1890) und von Prof. Rudolf Virchow (1821-1902):                      

Rizal setzte seine Ausbildung im Februar 1886 in Heidelberg an der Universitäts-Augenklinik unter  Leitung von Prof. Otto Becker fort. Von Becker lernte Rizal eine Operationstechnik, die er später bei seiner fast erblindeten Mutter erfolgreich anwendete.

In Berlin traf Rizal auf den seinerzeit bedeutendsten Mediziner Europas, Prof. Rudolf Virchow. Virchow, der nicht nur als Zellpathologe unter den Forschern und Medizinern größtes Ansehen genoss, war auch ein berühmter Prähistoriker, Anthropologe und Völkerkundler. Als liberaler Abgeordneter engagierte sich Virchow auch im Deutschen Reichstag. Er erkannte schnell Rizals Genie und erklärte ihn nach kurzer Zeit zum Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Rizal konnte später die Kenntnisse der modernen Hygiene, Wasserversorgung, der schulischen Erziehung und Weiterbildung während seiner Verbannungszeit umsetzen und anwenden.

                   Büsten von Prof. Otto Becker (links) und Prof. Rudolf Virchow

 

Büsten von Pastor Karl Ullmer (1842-1910) und Prof. Ferdinand Blumentritt (1853-1913):                

Pfarrer Karl Ullmer war für Rizal ein gleichgesinnter Gesprächspartner und Gastgeber, den der junge philippinische Student in Heidelberg bei einem Spaziergang auf dem berühmten Philosophenweg traf. Rizal nahm gerne die Einladung zu einem mehrmonatigen Aufenthalt in Wilhelmsfeld bei der Familie Karl Ullmers an. Hier konnte er bei vielen Gesprächen Deutsch lernen und Ullmers Gedanken der Ökumene und Weltoffenheit kennen lernen. In dem intensiven Austausch mit Pfarrer Ullmer lernte Rizal die Gedankenwelt Friedrich Schillers kennen, der vor allem in seinem Drama "Wilhelm Tell" (wurde von Rizal in seine Heimatsprache, Tagalog, übersetzt) für die Befreiung des Menschen von Unterdrückung und Demütigung eintritt. Die von Schiller beschriebene geistige Freiheit des Menschen war ein Leitmotiv in Rizals sozialkritischem Roman "Noli me tangere" (Rühre mich nicht an). Rizal prangert in seinem Roman die Missstände in seiner Heimat an, die größtenteils auf der harten Kolonialherrschaft der Spanier beruhten. Das letzte Kapitel seines Romans konnte Rizal in Wilhelmsfeld bei Familie Ullmer vollenden. Später, am 30.Dezember 1896, wurde José Rizal unter dem Vorwurf der Rebellion durch die spanischen Kolonialherren hingerichtet.

Zu Rizals letzten Weggefährten und Freunden aus Europa zählt besonders Prof. Ferdinand Blumentritt aus Leitmeritz, Böhmen. Blumentritt hatte sich besonders durch seine Forschungen über die Philippinen internationale Anerkennung erworben. Zwischen den beiden Freunden entwickelte sich ein reger Briefverkehr in deutscher Sprache. Noch am Vorabend seiner Hinrichtung beteuerte Rizal in einem ergreifenden Brief an seinen Freund seine Unschuld am Vorwurf der Rebellion: "Mein lieber Bruder, wenn Du diesen Brief erhalten hast, bin ich schon tot. Morgen um 7 Uhr werde ich erschossen werden, bin ich aber unschuldig des Verbrechens der Rebellion. Ich sterbe gewissenruhig. Lebe wohl, mein bester, liebster Freund und denke nie übel von mir." Nach Rizals Tod setzte sich Blumentritt mit großer Hingabe für dessen Reformideen ein. - In Manila wurde übrigens ein größeres Stadtgebiet nach Ferdinand Blumentritt benannt.

    Büsten von Pastor Karl Ullmer und Prof. Ferdinand Blumentritt

 

  

 Seitlich zur Rizal - Statue stehen die Stelen mit jeweils 2 Büsten (links: Pastor Karl Ullmer und Prof. Ferdinand Blumentritt, rechts: Prof. Otto Becker und Prof. Rudolf Virchow).                                                                                                                           (Photo Manfred Holtzmann)                                        

 

                      Der Gedenkstein mit Texten in Englisch und Deutsch:                                      Bericht über Rizals Leben und Würdigungen seiner 4 Freunde, unten: 25 Jahre Rizal-Park

 

Würdigung Dr. José Rizals (1861-1896) auf dem Gedenkstein in Deutsch und Englisch:

"Diese Gedenkstätte erinnert an den philippinischen Nationalhelden José Rizal, der im April 1886 nach Heidelberg kam und mehrere Monate als Gast im Wilhelmsfelder Pfarrhaus gelebt hat. Die Parkanlage wurde 2003 neu gestaltet. Seit 1978 steht die von Professor Caedo in Manila geschaffene Statue von Rizal an einem Wasserbecken, in dem 8 Elemente die 7107 philippinischen Inseln symbolisieren. Erweitert wurde der Park um vier Büsten von Otto Becker, Karl Ullmer, Rudolf Virchow und Ferdinand Blumentritt.

Umfassend gebildet, vielgereist und ungewöhnlich sprachbegabt hat sich Rizal mit den Problemen seines unter spanischer Kolonialherrschaft leidenden Volkes auseinandergesetzt. Sein beispielhaftes soziales und politisches Engagement spiegelt sich wider in seinem Wirken als Arzt, Schriftsteller und Künstler. Mit friedlichen Mitteln erstrebte er eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Spanien und den Philippinen, musste dann aber erfahren, dass seine in Europa veröffentlichten Schriften ihn in seinem Heimatland zum kriegerischen Rebellen abstempelten. Er wurde nach vierjähriger Verbannung nach Dapitan (Mindanao) in Manila öffentlich durch Erschießen hingerichtet. Was Rizal am Herzen lag, hat er in einem Satz zusammengefasst:

"Mein höchster Wunsch ist das Glück meines Landes".

Die Knights of Rizal Wilhelmsfeld-Heidelberg haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe Rizals zu pflegen, seine Visionen, die insbesondere für die Philippinen bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben, umzusetzen und dem friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion eine Zukunft zu weisen."           

"This memorial park pays tribute to the Philippine national hero, José Rizal, who came to Heidelberg in 1886 and spent several months as a guest at the vicarage in Wilhelmsfeld. The Rizal Park has been redesigned in 2003. In 1978, the statue of Rizal, made be Professor Caedo in Manila, was placed beside a pool in which eight elements symbolise the 7107 Philippine islands. The park has now been further enhanced by the busts of four figures that made a lasting impression on Rizal during his stay in the then German speaking area:

Otto Becker, Karl Ullmer, Rudolf Virchow and Ferdinand Blumentritt.

Extensively educated, widely travelled and an exceptionally gifted linguist, Rizal tackled the oppression suffered by his people under the Spanish colonial powers. His exemplary social and political commitment is reflected in his work as a doctor, writer and artist. Although he sought equal partnership between the Spanish and the Philippines by peaceful means, he was to discover that, as a result of his publications in Europe, he had been branded in his homeland as a militant rebel. After four years exile in Dapitan (Mindanao), he was shot at a public execution in Manila. The following words by Rizal summarise his most ardent sentiments:

"My greatest wish is the happiness of my country".

The Wilhelmsfeld-Heidelberg Knights of Rizal have devoted themselves to maintaining Rizal's legacy, in realising his vision of living peacefully with people of various origins and religion, a vision, which even today has lost nothing of its relevance for the Philippines."

                                   

       Kranzniederlegungen zum 25 jährigen Jubiläum der Rizal-Statue und des Rizal-Parks 

                                 Mein Dank gilt Manfred Holtzmann, der mir 2 Photos zur Verfügung stellte.


|Ulis Nest| Familie | Kreuzwertheim | NABU-Wertheim | Rizal Heidelberg I | Links| Email || 

    Dr. José Rizal in Heidelberg und in Wilhelmsfeld 1886

    und der Nachruf für Dr. José Rizal von Prof. Virchow:

| Rizal in Heidelberg I || Rizal in Heidelberg II

| Flores de Heidelberg (Engl.-Deutsch) - Gedicht von J. Rizal 1886 | 

| Rizals letters from Heidelberg I || Rizals letters from Heidelberg II

| Rizals letters to Pastor Ullmer, Wilhelmsfeld, 1886-1888 |

| Prof.Virchow (Berlin): Obituary for Dr. José Rizal 1897

| Prof. Virchows Nachruf für Dr. José Rizal 1897 |

   

      Knights of Rizal - Wilhelmsfeld - Heidelberg Chapter 

             und der Rizal - Park in Wilhelmsfeld:

| Wilhelmsfeld-Heidelberg Chapter - Vorstand |

| Supreme Commander in Wilhelmsfeld Oct. 2001 |

| Rizals 141.Geburtstag in Wilhelmsfeld, 2002

|Rizals 146.Geburtstag + 10 Jahre Wilhelmsfeld-Heidelberg Chapter: 17. Juni 2007

|50 Jahre Rizal Beziehungen Philippinen - Wilhelmsfeld: Die Wilhelmsfeld Story|

|50 Years Philippines - Wilhelmsfeld: "The Wilhelmsfeld Story", by Dr.P.Mendez|

|Correspondence Dr.Paz Mendez concerning Rizal's stay in Wilhelmsfeld (1959)| NEW!!!

 


 last update April 06, 2010

800X600

since Oct. 10, 2003