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1960 - 2010

             Philippinen                                                   Wilhelmsfeld/Deutschland 

Zum 50 jährigen Bestehen der Beziehungen zwischen den Philippinen und Wilhelmsfeld: 

Die Wilhelmsfeld Story des José Rizal

herausgegeben i.J.1986 von Alexander L.M. Mushake (1933 - 2009) anlässlich des 100. Jahrestages des Deutschlandaufenthalts des philippinischen Nationalhelden Dr. José Rizal. Gleichzeitig sei mit der Veröffentlichung seines Aufsatzes des aufrichtigen und allseits anerkannten Rizalisten unseres Wilhelmsfeld - Heidelberg Chapters, Sir Alexander Mushake, in Verehrung und großer Dankbarkeit gedacht, der am 4. Januar 2009 verstorben ist.

Vorbemerkung des Herausgebers:

1986 jährt sich zum hundertsten Mal der Tag, an dem Dr. José Rizal, der geniale Nationalheld der Philippinen und Kämpfer für Gerechtigkeit und Freiheit seines Volkes, nach Deutschland kam, um sich in Heidelberg als Augenarzt weiterzubilden sowie unser Land, unsere Sprache und Kultur kennen zu lernen. Nur ein gutes Jahr weilte er in Deutschland, doch wurde diese Zeit - vor allem die Monate in Wilhelmsfeld bei Heidelberg - für sein weiteres Leben und Schicksal bestimmend. In Wilhelmsfeld vollendete er seinen aufrüttelnden Roman "Noli me tangere", der 1887 in Berlin zum ersten Mal gedruckt wurde. In seiner Heimat fand dieses Buch ein ungewöhnliches Echo und trug dazu bei, ihn zum Wegbereiter und Auslöser des philippinischen Unabhängigkeitskampfes werden zu lassen, gab jedoch zugleich Anlass, ihn zu verfolgen und ihm nach dem Leben zu trachten.

Einhundertfünfundzwanzig Jahre sind 1986 seit der Geburt Rizals in der Stadt Calamba in der Provinz Laguna vergangen, neunzig Jahre seit seiner Erschießung auf dem Bagumbayan Field auf der Luneta in Manila - und doch ist sein Geist und sein Werk bis heute im philippinischen Volk lebendig, wurde zugleich zu einem Unterpfand völkerverbindender Freundschaft zwischen den Philippinen und Deutschland. Daran soll der nachfolgende Beitrag, eine Übersetzung aus dem Buch "Adventures in Rizaliana" von Paz Policarpio Mendez, Ed. D., Manila 1978, S. 21 - 44, erinnern. Er soll aber zugleich ein Zeichen des Gedenkens sein an Pfarrer Gottlob Weber, der entscheidend zur Erforschung von Dr. Rizals Leben in Wilhelmsfeld und Heidelberg beigetragen hat. Dieser große Verehrer Dr. Rizals und Freund des philippinischen Volkes starb am 27. Dezember 1983.

           

 Auf dem Einband von "Adventures in Rizaliana" von Dr. Paz P. Mendez sind Gebäude u.ä. aus Städten dargestellt, in denen sich José Rizal aufgehalten hatte und in denen Frau Mendez Forschungen über Rizal unternommen hatte: links oben: Heidelberg, Brüssel mit New York und Wilhelmsfeld (1.Rizal-Gedenktafel); vordere Reihe: Paris und Dapitan (Phil.)

Der junge Filipino José Rizal, geboren am 19. Juni 1861 in Calamba, Doktor der Medizin sowie der Philosophie und Literatur der Universidad Central in Madrid, war am 3. Februar 1886 nach Heidelberg gekommen, um an der damals neu errichteten Universitätsaugenklinik seine Kenntnisse in Augenheilkunde zu vertiefen. Fünf (? eher 2, d. Webm.) Monate wohnte er im Wilhelmsfelder Pfarrhaus, wo er in freien Stunden, oft des Nachts, sein erstes Buch "Noli me tangere" ("Rühr mich nicht an") vollendete. Darin hat er die sozialen und religiösen Zustände seiner Heimat unter der spanischen Kolonialherrschaft und das fragwürdige Wirken der damaligen Mönchsorden kritisch dargestellt - gleichsam "heiße Eisen", die niemand anzurühren wagte. Vor allem um dieses Buches willen wurde er von den Spaniern und der Kirche verfolgt und nach Ausbruch eines Aufstandes in den Philippinen durch Erschießen auf dem Bagumbayan Field auf der Luneta in Manila am 30. Dezember 1896 öffentlich hingerichtet.

Sein Volk verehrt Dr. Rizal auch um seiner weiteren Schriften und reformerischen Ideen willen - als Nationalheld und Märtyrer.

Im Rizal Centennial Year, zum 100. Geburtstag Rizals, fanden zahlreiche Feiern und Kongresse statt. Die dazu gebildete "José Rizal Centennial Commission" ließ in der ganzen Welt die Orte des weitgereisten Mannes aufsuchen und durch Gedenktafeln ehren. Besonders eifrig und erfolgreich wirkte die Rizalforscherin Dr. Paz Policarpio Mendez, Professorin an der Centro Escolar University, Manila. Ihr ist die Aufhellung des höchst bedeutsamen Deutschlandaufenthalts Dr. Rizals zu verdanken. Hier ihr Bericht:

Die Wilhelmsfeld Story des José Rizal (Ein Bericht von Frau Prof. Dr. Mendez, Manila, 1978):

In einem kleinen Dorf namens Wilhelmsfeld, auf den Höhen des Odenwalds in Westdeutschland gelegen, ist der Name José Rizals bis heute lebendig. Er wird dort leben, solange eine Gedenktafel erhalten bleibt, die an einem dreistöckigen, jahrhundertealten steinernen Gebäude am 4. Januar 1960 angebracht wurde. Heute wandern Reisende von den Philippinen in diese abgelegene Ecke Deutschlands zu der Widmungsinschrift, die in goldenen Lettern auf dem schwarzen Marmor der Tafel unter dem rot-weiß-blauen Wappen des Philippinischen Historischen Komitees eingemeißelt ist:

José Rizal

1861 - 1896

Nationalheld der Philippinen

verfasste den letzten Teil seines Romans

"Noli me tangere"

in diesem Haus, während er Gast von

Pfarrer Ullmer war.

1886

Das Gebäude, ein Steinwurf entfernt von der Protestantischen Kirche, ist der Amtssitz des Pfarrers von Wilhelmsfeld. Zur Zeit Rizals bewohnte es Pfarrer Karl Ullmer, dessen Hausgast Rizal war und der später ein treuer Freund des Nationalhelden wurde.

Wie kam Rizal dorthin? Wer war Pfarrer Ullmer, und wie kam es dazu, dass unser Heros in dessen Haus lebte?  

Es gibt einen einzigen Brief Rizals mit dem Poststempel Wilhelmsfeld vom 9. Juni 1886. Er sagt nichts über die Umstände, wie Rizal in diesen Ort kam, sondern berichtet lediglich von seinen Geldschwierigkeiten und seinem Wunsch, auf die Philippinen zurückzukehren, um seiner Familie zu helfen. In einem seiner Briefe an Pater Pablo Pastells schreibt Rizal über sein fast tägliches Zusammensein mit einem protestantischen Pfarrer im einsamen Odenwald während der langen Sommerabende des Jahres 1886. Er und der Pfarrer diskutieren oft über ihre jeweiligen Glaubensstandpunkte in aller Ruhe und Freiheit, und beide stimmten darin überein, dass Religion nicht Feinde sondern Brüder schaffen solle trotz der Unterschiede in Rasse, Erziehung oder Alter. Diese Gespräche, sagt Rizal, hätten ihn gelehrt, jedes Menschen ehrliche Meinung und Tun zu achten. Und er erinnerte sich, wie ein katholischer Priester öfters von jenseits des Rheins (=nur v. Schriesheim, d. Webm.) dazukam als ein Zeichen christlicher Bruderschaft. Beide betrachteten sich als Diener desselben Gottes, jeder seine Pflicht tuend, anstatt zu streiten. Sie überließen es ihrem Herrn zu entscheiden, wer der bessere Interpret seines Willens war.

Ich war immer der festen Überzeugung, dass diese Zusammenkünfte in Wilhelmsfeld stattgefunden haben. Das Dorf (nicht Wilhelmsdorf, wie ich anfangs dachte) hatte mein Interesse erregt, seit ich eine Rizalbiographie während der japanischen Besatzungszeit (auf den Philippinen, d. Hrsg.) geschrieben hatte. Etwas sagte mir, dass dort ein bedeutsamer Schatz der Rizalgeschichte auf mich wartete, und so begann ich meine Nachforschungen.

Im Juni 1959 unternahmen mein Gatte und ich eine Reise auf den Spuren Rizals nach Straßburg, Koblenz, Bingen, Mainz und Heidelberg. Wir erlebten eine reizvolle Bootsfahrt auf dem Rhein und sahen zu beiden Seiten des Flusses die Burgruinen und zerstörten Festungen. Im Morgensonnenschein erblickten wir den legendären Loreleyfelsen, berühmt durch Heines Gedicht. Vielleicht hatte der Felsen Rizal, ebenso wie uns, an den Mariang Makiling, den Berg unserer eigenen philippinischen Legende, erinnert. 

Wir nahmen Aufenthalt in Heidelberg und machten Fotos von zwei Gebäuden, deren Anschriften uns die José Rizal National Centennial Commission gegeben hatte. Eine Wohnung - in der Karlstraße 16 - musste Rizal besonders angezogen haben, bot sie doch von dem hinteren Fenster einen Ausblick auf die gesamte Schlossruine, die als die schönste in ganz Deutschland gilt. Bald darauf verzog Rizal in ein anderes Haus - Ludwigstraße 12, jetzt umbenannt in Grabengasse - genau gegenüber der berühmten Heidelberger Universität. Dies sind die beiden bekannten Wohnungen Rizals in der alten Universitätsstadt. Aber wo war die Augenklinik von Dr. Becker, zumal die Strasse so kurz und eng und mit Pflastersteinen bedeckt war. Daher gaben wir diesen Gedanken auf und suchten weiter, zunächst in der Universitätsbibliothek. Dieser Weg erwies sich als lohnend, denn wir erfuhren, dass Dr. Becker seinerzeit Direktor der Universitätsaugenklinik gewesen war, welche jetzt auch ein Teil der alten Universitätskliniken ist.

Nach einer Besichtigung dieser Klinik, in der Rizal seine zusätzlichen Studien unternommen hatte, gingen wir zu einer anderen Adresse, die ich in Rizals Briefwechsel gefunden hatte: Obere Neckarstrasse 11. Es ist eine schmale Straße nahe der Karl - Theodor - Brücke, einer der beiden zu Rizals Zeiten vorhandenen Brücken.  Das Gebäude selbst - aus Ziegeln und Steinen - war 1840 errichtet worden und sehr viel neuer als die in der Karlstraße und der Grabengasse. Beim Betrachten der Umgebung vermute ich, dass Rizal, der während seines Aufenthalts in Wilhelmsfeld nach Heidelberg und zurück fahren musste, diese Wohnung sehr günstig gefunden haben konnte.  

Nun, wo wohnte sein Freund Pfarrer Ullmer? Da ich den Namen im Adressbuch von Heidelberg nicht fand, schloss ich, dass er in Wilhelmsfeld gelebt haben musste. Das war es, warum ich durch einen unwiderstehlichen Impuls beschloss, am 9. Juni 1959 dorthin zu gehen - zufällig am 73. Jahrestag des einzigen Briefes Rizals mit dem Poststempel von Wilhelmsfeld. Wir fuhren ungefähr 15 Kilometer auf schmalen, kurvenreichen Straßen, die uns manchmal an Baguio, manchmal an Los Baños und besonders an den Mt. Makiling (nahe Rizals Geburts- und Heimatstadt Calamba, d. Hrsg.) erinnerten. Wir erreichten das Dorf auf der Berghöhe und begaben uns in das Gasthaus "Schriesheimer Hof", das in der Ortsmitte lag. Dort nahmen wir ein saftiges Mittagsmahl - Schweinsknöchel mit Sauerkraut, dazu Bier - und waren sehr zufrieden. Viele Leute aßen da und machten einen freundlichen Eindruck, aber die sprachliche Verständigung erwies sich als schwierige Barriere. Niemand konnte uns etwas über Rizal sagen. Wenn auch nicht glücklich, fühlten wir uns trotzdem nicht ganz enttäuscht. Die Fahrt durch die bewaldeten Berge hatte uns heiter gestimmt, und wir hatten die Gewissheit, dass Rizal hier gewesen war und gesehen hatte, was wir sahen, und dieselbe Gebirgsluft geatmet hatte wie wir. Vielleicht hatte er auch Schweinsknöchel mit Sauerkraut in demselben Gasthaus gegessen.

Der schon von Dr. José Rizal 1886 besuchte "Schriesheimer Hof" in Wilhelmsfeld

Wir fuhren nach dem Mittagessen zurück nach Paris, nicht entmutigt durch unseren Misserfolg. Am nächsten Tag schrieb ich einen Brief an "die kirchlichen Autoritäten von Wilhelmsfeld". Ich hatte das Schriftstück bei der UNESCO ins Deutsche übersetzen lassen und rasch zur Post gebracht. Der Brief kam zurück. Das war ein trauriger Tag für mich, und ich schrieb drei Wochen lang nicht mehr. Da aber meldete sich kräftig meine Rizal - Ahnung, und ich fand mich einen Brief schreibend an die Eigentümerin des Gasthauses, die so nett zu uns gewesen war, als wir dort gegessen hatten. Ich schrieb, sie möchte so gut sein und für mich herausfinden, wo ein junger philippinischer Arzt namens José Rizal im Sommer 1886 gewohnt hatte. Ich versicherte ihr, dass er in Wilhelmsfeld gewesen war. Aber wo genau? Ich stellte noch mehr Fragen. Mein brennendes Interesse muss einen tiefen Eindruck auf sie gemacht haben, denn nach sechs Wochen des Schweigens kam ein Brief. Er trug den Poststempel von Wilhelmsfeld, und der Briefkopf lautete "Evangelisches Pfarramt".

Ich eilte zur UNESCO, um das Schreiben übersetzen zu lassen, und ein neues Stück Rizalgeschichte folgte - die Wilhelmsfeld Story. 

Die gute Frau hatte meinen Brief dem Pfarrer von Wilhelmsfeld gegeben, und nun teilte mir dieser schriftlich mit, dass José Rizal in dem Pfarrhaus gewohnt habe, genau in dem Haus, in dem er selbst wohne. Ja, Pfarrer (Pastor) Weber hatte nicht die Geschichte vergessen, die ihm von Friedrich Ullmer, einem Juristen und Sohn des Pfarrers Ullmer, erzählt worden war. Leider war Friedrich Ullmer vor nicht langer Zeit verstorben. Der Anwalt war eines Tages gekommen, um das Haus seiner Kindheit wiederzusehen, und er erinnerte sich in dem Gespräch mit Pfarrer Weber, wie die Kaiserin Elisabeth von Österreich eines Tages in diesem Haus zu Besuch gewesen sei. Da war eine kleine Bronzegedenktafel an der Tür des Esszimmers, das sie mit ihrer Anwesenheit beehrt hatte. Nach Friedrichs Worten war sie eine lebhafte, schöne Frau, die lange Wanderungen in den Bergen liebte. (In meinem Tagebuch erscheint sie als "Sissi", die Heldin in Fritz Kreislers gleichnamiger Operette, die zur Zeit in Paris aufgeführt wird.)

Aber auf Friedrich machte ein anderer Besucher einen größeren Eindruck als die Erinnerung an die Kaiserin: ein junger philippinischer Doktor, der im Sommer 1886 in seiner Familie gelebt hatte. Friedrich (abgekürzt Fritz) war damals dreizehn Jahre alt, aber lange Zeit später erinnerte er sich noch lebhaft an José Rizal und glaubte ihn am Schreibtisch sitzen zu sehen, bis in die späte Nacht schreibend. Er erinnerte sich an die große Landkarte der Philippinen an der Wand vor Rizal, und der Knabe war tief beeindruckt von des Filipinos Verehrung für sein Heimatland.

Pfarrer Weber schrieb mir von der spürbaren Begeisterung, mit der Friedrich von dem Manne aus den Philippinen gesprochen hatte. Der Pfarrer erfuhr von ihm noch, dass Rizal nach Verlassen des Ullmerschen Hauses Postkarten an die Familie aus Berlin, Manila, Hongkong und London geschrieben hatte. (Diese befinden sich jetzt in der Ullmerschen Sammlung.) Eines Tages wurde die Familie Ullmer erschreckt durch die Nachricht in einer Frankfurter Zeitung, dass auf den Philippinen eine Revolution ausgebrochen und deren Anführer José Rizal durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden sei. Der Knabe Fritz traute seinen Augen nicht. Pastor Ullmer schrieb sogleich an den deutschen Konsul in Manila, um nachzuforschen, ob dieser José Rizal derselbe junge Doktor war, der ihr geliebter Gast gewesen war. Die Antwort des Konsuls (ebenfalls in der Ullmerschen Sammlung) (datiert vom 27.Februar 1897, d. Hrsg.) lautete, dass der erschossene Dr. Rizal zweifellos mit dem ihnen bekannten Mann identisch war.

Pastor Webers ausführliches Zeugnis überzeugte mich, dass Rizal in der Tat im Pfarrhaus mit der Familie Ullmer gelebt hatte. Hieraus entwickelte sich ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Paris und dem kleinen Dorf im Odenwald.

Mein nächstes Ziel war, die Nachkommen Ullmers herauszufinden. Wo lebten sie, und wie konnte man das feststellen? Sicher mussten sie irgendwo existieren, und in ihrem Besitz mussten einige Erinnerungsstücke an Rizal sein. Ich wollte Pastor Weber noch mehr für den philippinischen Nationalhelden interessieren und sandte ihm die Broschüre der José - Rizal - Jahrhundertfeier - Kommission sowie die Abschrift von Rizals Gedicht "A las Flores de Heidelberg" ( "An Heidelbergs Blumen" d. Hrsg. ) in Spanisch, Englisch und Französisch (letzteres eine freie Übersetzung eines französischen Freundes von uns).  Mein Gatte vergaß auch nicht, eine Kiste Manila-Zigarren beizufügen, immer ein hervorragendes Mittel zur Herstellung guter Beziehungen.  

In seinen folgenden Briefen bestand Pfarrer Weber darauf, dass wir noch einmal nach Wilhelmsfeld kommen sollten. Er hätte mehr zu berichten, und die Möglichkeiten weiterer Entdeckungen seien groß. Seine Beharrlichkeit ermutigte uns in der Tat. Ich würde also meine Nachforschungen in dem Dorf fortsetzen und wichtige Hinweise finden. Seit ich das sichere Gefühl hatte, man würde in Manila meine Empfehlung, eine Gedenktafel am Pfarrhaus anzubringen, gutheißen, schrieb ich, ich sei bereit, die Einladung anzunehmen, Pfarrer Weber möge inzwischen die Güte haben, weitere Nachforschungen anzustellen. Ich überschüttete ihn mit Fragen. Wie hieß der katholische Priester, der ein Freund Pastor Ullmers und Rizals war? Wie war die Verkehrsverbindung, die Rizal benutzte, um von Wilhelmsfeld nach Heidelberg zu kommen, und wie lange benötigte man dazu? Was für eine Art von Gemeinde war Wilhelmsfeld? Konnte er die Nachkommen Pastor Ullmers ausfindig machen?    

Zu meiner freudigen Überraschung erwies sich Pfarrer Weber als unermüdlicher Mitarbeiter. Er erfuhr von einem Sohn des inzwischen verstorbenen Friedrich Ullmer, Helmut, in einer Stadt (Rastatt, d. Hrsg. ) 70 km südlich Heidelbergs und besuchte ihn. Dieser verwies ihn an seine ältere Schwester Etta, die vielleicht mehr wisse, sie wohne in Heidelberg. Zusammen mit diesem ersten Hinweis auf die Ullmer - Nachkommen beantwortete Pastor Weber auch meine Frage nach dem katholischen Priester. Es war der Geistliche Hermann Bardorf (aus dem benachbarten Schriesheim, d. Hrsg.), der manche Stunde in freundschaftlichem Gespräch mit Rizal und Pastor Ullmer im "Schriesheimer Hof" (in Wilhelmsfeld, d. Hrsg.) verbracht hatte - in demselben Gasthaus, in dem wir am 9. Juni unser Essen eingenommen hatten. Der Besitzer war mit Pastor Ullmer gut befreundet. Oft trafen sich die drei Gesprächspartner auch in einem Nachbarort in der Pfalz (in Schriesheim, d. Hrsg.), wo es guten Wein gab, den Pastor Ullmer liebte. Auf meine weitere Frage über den Weg von Wilhelmsfeld nach Heidelberg versicherte mir der Pfarrer, dass zur Zeit Rizals die eigenen Füße das normale Verkehrsmittel gewesen seien und man dazu mehr als zwei Stunden in einer Richtung benötigte.

Meine großen Erwartungen in der Wilhelmsfelder Rizalgeschichte näherten sich ihrer Verwirklichung, während die Rizal - Gedenktafel in Paris Gestalt annahm. Ein weiterer Brief unseres Nachforschungsfreundes feuerten meine Hoffnungen aufs neue an. Pastor Weber schrieb, er habe mehrere Briefe Rizals in Deutsch gefunden, dazu ein Original der Erstausgabe des Buches "Noli me tangere" mit einer handschriftlichen Widmung Rizals und weitere interessante Dinge. Unser Freund war Helmuts Hinweis gefolgt und hatte dessen Schwester Etta gefunden, die nun die Ehegattin eines praktischen Arztes war. Als besonders wichtig erwies sich, dass ihre beiden Söhne Hans und Fritz Hack die Rizal - Dokumente - "Andenken" nannte sie Pfarrer Weber - gut aufbewahrt hatten. 

So kam es, dass die beiden jungen Hacks unserer Liste der Korrespondenten hinzugefügt wurden. "Wie Sie wissen," schrieben sie später, "lebte Dr. Rizal in Wilhelmsfeld im Haus unseres Großvaters Friedrich Ullmer. Dort schrieb er Teile seines Buches.... Er war geliebt von der ganzen Familie. Unser Großvater, obwohl noch ein Knabe, verehrte Dr. Rizal herzlich. Oft zeigte er uns Briefe und Zeichnungen Dr. Rizals, ebenso ein "Noli me tangere", das unserem Großvater (= Urgroßvater Karl, d. Webm.) gewidmet war. Bevor er 1953 starb, gab unser Großvater dies alles meinem Bruder und mir." Und die beiden Brüder luden uns ein, ihr Haus in Heidelberg zu besuchen und die "Andenken" anzusehen.

Wir waren natürlich aufs äußerste gespannt, bisher unbekannte Rizalbriefe in Händen zu halten, die jedoch noch kein anderer Filipino gesehen hatte oder sonst kannte.  Da blieb jedoch eine Schwierigkeit - das Wetter. Wie würde Wilhelmsfeld im Winter ausschauen? Würde die schmale Serpentinenstraße von Heidelberg über die Berge passierbar sein? Die Täler sahen im Winter sicher nicht einladend aus; und wenn die Straße vereist war, was dann?

Die Antwort des Pfarrers war zuversichtlich. Er selbst war im Winter nach Paris gefahren, um seine Tochter Ursula an der Sorbonne zu besuchen, und hatte eine gute Reise. Er schlug vor, am 26. Dezember zu kommen, das wäre geeignet. Wir könnten dann eine richtige Feier halten, wie sie Rizal in seinem Buch beschrieben habe. Unser guter Freund hatte offenbar das Kapitel "Noche Buena" im "Noli" gelesen.  

Zufällig hatten wir vereinbart, eine andere Rizal - Tafel in Gent, Belgien, anzubringen, und konnten daher am 26. nicht kommen. Aber am frühen Morgen des 1. Januar machten wir uns auf den Weg. Es nieselte, als wir abfuhren, und es wurde ein regnerischer, dunkler und langweiliger Tag. Eine spanische Ausgabe des "Noli" war unser Begleiter auf der Zehnstundenfahrt. Die Reise wäre leicht gewesen, aber wir hatten eine Last bei uns, um die wir uns mit besonderer Sorgfalt kümmern mussten. Das war die Marmortafel zu Ehren Rizals, die für das Pfarrhaus in Wilhelmsfeld bestimmt war. Sie hatte ein Gewicht von fast 20 Pfund, und während wir in Paris den Chauffeur unserer Botschaft hatten, um sie zum Zug zu bringen, waren wir nicht sicher, ob wir in Heidelberg eine Hilfe finden würden. Und tatsächlich, als wir die Stadt am Abend erreichten, gab es keinen Gepäckträger, und so musste mein Gatte selbst sich als solcher betätigen. Nachdem wir fünf Minuten gegangen waren, er mit der schweren Tafel in seinen Armen, erschien ein Träger - zur Erleichterung für Herz und Blutdruck. 

Die Nacht war hereingebrochen, und der Regen floss in Strömen. Sollten wir ein Auto nehmen oder die Nacht in Heidelberg bleiben? Letzteres würde einen weiteren Halt für die Tafel bedeuten mit dem Risiko der Beschädigung oder des Verlustes. Nein - diese geschichtliche Gedenktafel musste an ihren Bestimmungsort, trotz Regen, Dunkelheit und Bergfahrt. Und so - um neun Uhr in der ersten Nacht des Jahres 1960 - ruhte die Tafel sicher auf dem runden Tisch im Wohnzimmer der Familie Weber in Wilhelmsfeld. Rizal war sozusagen heimgekehrt in das Haus, das ihm vierundsiebzig Jahre zuvor Obdach gegeben hatte.

Pastor Weber stellte sich nicht als der alte Mann heraus, den wir erwartet hatten, sondern war in den fünfziger Jahren, aufrecht und sehr lebhaft. Er hat fünf Kinder, zweimal Zwillingsmädchen von 23 und 13 Jahren sowie einen sechszehnjährigen Knaben. Frau Weber war sehr freundlich und hieß uns Platz nehmen. Bald packte der Pastor die Alhambra - Coronas - und die Tabacalera - Superking - Zigarren aus, die wir als Weihnachtsgeschenk mitgebracht hatten, und erklärte sie für die besten der Welt.

Während unseres Aufenthalts in Wilhelmsfeld diente uns der Pfarrer nicht nur als Führer, sondern auch als Chauffeur. Er nannte sich selbst scherzend "Chauffeur dangereux" nach dem CD (Corps Diplomatique) eines Diplomatenwagens. Er sagte dies, während seine linke Hand das Lenkrad hielt und die rechte lebhaft gestikulierte vor Begeisterung oder um zu erklären, was er nicht in Englisch sagen konnte. Der Scherz war lustig, aber wir lachten nicht, wenn wir an die im Regen kaum sichtbare Straße und die seitlich gähnenden Abhänge dachten.

Wir fuhren zum Besuch bei Landrat Steinbrenner. Er war eine Art Bürgermeister für das hügelige Gebiet um Heidelberg und hatte (neben der Kirchenbehörde, d. Hrsg.) die Erlaubnis zur Anbringung der Rizal - Tafel am Wilhelmsfelder Pfarrhaus zu geben. Von hier wurden wir zur Wohnung der Familie Hack gefahren. Ein großer Christbaum stand in dem Wohnzimmer, in welchem wir willkommen geheißen wurden, sowie Gebäck und selbstgebackenes sternförmiges Weihnachtsgebäck angeboten bekamen.

Wir konnten sehen, dass die Hacks glücklich waren, die ersten Landsleute Rizals kennen zu lernen, von dem sie soviel wussten. Das Haupt der Familie, Dr. (Kurt) Hack, sprach kein Wort Englisch, aber seine Frau Etta konnte etwas Englisch und Französisch. Ihre beiden Söhne Hans (22) und Fritz (23) waren groß gewachsen, schlank und gut aussehend. Hans ist Student der Rechte, Fritz studiert Medizin, beide sprachen gut Englisch und Französisch.

Die Rizal - Sammlung, in einem alten Holzkästchen aufbewahrt, wurde gebracht und vor uns geöffnet. Was für ein Schatz der Geschichte zeigte sich vor unseren Augen! Welch rührende Erinnerungen an einen großen Mann!

Unsere erste Frage an die Hacks war: Wie lernten die Ullmers und Rizal einander kennen? Die Antwort: Eines Tages gingen Pastor Ullmer und seine Frau mit den Kindern Etta und Fritz auf dem berühmten "Philosophenweg", einem Spazierweg in den Odenwald, und begegneten einem jungen Filipino, der ebenfalls einen Spaziergang machte. Sie tauschten Grüße aus und waren in kurzer Zeit wie Freunde. Ich wagte hier einzuflechten, dass Rizal die Schönheit der Frühlingsblumen rühmte, und erinnerte an sein Gedicht "An Heidelbergs Blumen", welches das Datum des 22. April trägt. Zwei Tage später, am 24. April 1886, schrieb er an Pastor Ullmer von seinem Wunsch, auf dem Lande zu leben. Dank Pfarrer Webers Rizaliana - Instinkt lag dieser Brief nun vor uns in aller Frische von Heidelbergs Blumen.

"Man hat mir erzählt," schrieb Rizal an Pastor Ullmer, "dass die Einwohner von Wilhelmsfeld einen deutschen Dialekt sprechen. Wäre es deshalb möglich, dass ich bei Ihnen im Haus wohnen könnte und nicht bei Fremden? Ihre Freundschaft ist für mich sehr wertvoll, und ich könnte dann ein gutes Deutsch lernen. Wenn dies für Sie nicht möglich ist, wäre ich froh, in einem anderen Hause zu wohnen, das Sie mir empfehlen."

Die Einladung des Pastors, in sein Haus zu kommen, muss zugleich erfolgt sein, denn ein Brief aus Paris (wahrscheinlich von Juan Luna), datiert vom 19. Mai, an Rizal unter der Anschrift Ludwigsplatz 12 wurde nach Wilhelmsfeld weitergeschickt.

Die Ullmer - Sammlung von Briefen berichtet weitere heitere und rührende Ereignisse in Rizals Heidelberg - Wilhelmsfelder Zeit. Im Juni beklagte er in einem Brief aus Heidelberg die Schwierigkeiten bei der Einlösung eines Schecks von zu Hause. Dann berichtete er, wie ein hungriger Hund (des Pastors Hund "Bärle", d. Hrsg.) ihm auf dem Weg gefolgt sei und er ihn in seiner Wohnung mit Milch und Brot versorgt habe. Zum Schluss dankte er dem Pastor wieder für die herzliche Freundschaft der Familie und lud ihn zu einem Besuch auf die Philippinen ein: "In meinem Lande werden Sie allezeit einen guten Freund finden, das heißt, wenn ich nicht bald sterbe." So früh hatte Rizal trübe Vorahnungen.

Dennoch hatte Rizal große Freude in seiner Wilhelmsfelder Zeit, wo er mit jedem Mitglied der Ullmerschen Familie herzlich verbunden war. Mit den beiden Kindern Etta (später Tante von Frau Hack - Ullmer, d. Hrsg.) und Fritz streifte er sicher in den schönen Wäldern umher und sammelte Pilze und wilde Beeren. Dann waren da die Diskussionen mit Pastor Ullmer über Philosophie und Religion. Außerdem vervollständigte er sein Deutsch. (Die Hacks erzählten mir, dass Rizal vorzüglich Deutsch geschrieben habe.) Mit seiner zunehmenden Kenntnis des deutschen Lebens war er fähig, da und dort in seinem Noli - Buch Beobachtungen über deutsche Bräuche und deutsches Volkstum einzuflechten. Zeit und Entfernung hatten seine Gefühle reifen lassen, und er schwächte manche Kritik ab über die Art, wie er die Dinge sah in ihrem gerechten Verhältnis und in ihrer richtigen Perspektive.

Das Manuskript des Noli - Buches muss in Wilhelmsfeld vollendet worden sein. Dies ergibt sich daraus, dass er im August desselben Jahres nach seiner Ankunft in Leipzig eine Druckerei suchte, später in Berlin ebenso nach einer günstigen Möglichkeit. Am 2. November schrieb er aus Berlin an die Ullmers, dass er von Leipzig nach Berlin gekommen sei und in der deutschen Hauptstadt ein paar Monate zu bleiben gedenke. Als bald darauf das "Noli" gedruckt war, sandte er ein Exemplar nach Wilhelmsfeld mit der Widmung: "Dem Hochwürdigen Pastor Ullmer von seinem Freund und Gast José Rizal".

Im Mai 1887, als Rizal seine Heimreise vorbereitete, sandte er dem Pastor ein Foto von sich und bat um ein Bild des Pastors. Von München schrieb er an Fritz, er möge entschuldigen, dass er den Brief des Knaben nicht früher beantwortet habe, da es nichts Wichtiges mitzuteilen gebe. Er fügte hinzu: "Sag Deiner guten Mutter, dass ich ihr von zu Hause schreiben will. Ich werde niemals vergessen, wie sie und der Pastor so gütig zu mir waren, als ich völlig unbekannt und ohne Freunde war.... Ich gehe heim, vielleicht um nie zurückzukehren."  Er schloss den Brief, indem er seine Anschrift in Calamba mitteilte.

Am 28. Juli 1887 sandte er eine Postkarte von Malakka. Zu dieser Zeit hatte er die Philippinen schon wieder verlassen, weil ihn die Umstände dort zur Rückkehr nach Europa zwangen. Es folgte eine Postkarte aus Hongkong vom 8. Februar 1888, und am 8. Juni desselben Jahres schrieb er aus London einen langen Brief (in deutscher Sprache, d. Hrsg.). 

"Meines Buches ("Noli me tangere", d. Hrsg.) wegen musste ich mein Vaterland verlassen. Der Gouverneur ließ mich rufen, um ein Exemplar zu bekommen; die Priester waren sehr aufgeregt. Man wollte mich anklagen, aber man weiss nicht wodurch und weswega (!) und aus welchem Grunde, da alles, was ich schrieb, historisch treu und wahr war. Der Erzbischof wollte mich anathematisieren (mit dem Kirchenbann belegen, d. Hrsg.), usw.

Hier in London ... schreibe (ich) ein neues Buch. Das philippinische Publicum hat 'Noli me tangere' sehr gut empfangen, und die Auflage ist alles ausverkauft. Die Regierung und die Kirche haben es streng verboten, desto schlimmer, es wurde mehr aufgesucht und abgekauft!

Sie werden mir eine große Freude geben, wenn Sie von Zeit zu Zeit mir schreiben wollen; ich vergesse nie die guten, stillen Tage, die ich bei Ihnen gelebt ...

Die Erzählung meiner Heimkehr ist zu lang und schwer zu begreifen, wenn man nicht die Umstände und das Leben auf den Philippinen genau kennt. Meine Familie erlaubte mich (!) nicht, in den anderen Häusern zu essen, weil sie fürchtete, dass ich vergiftet werden möge. Freunde und Feinde besuchten mich, und wärend (!) die Letzten die Exemplare meines Buches verbrannten, kauften die Ersten jedes Exemplar bis zum (!) 50 Dollar d.h. 200 Mark ab. Die Buchhändler haben viel Geld verdient; ich allein habe kein Geschäft daraus gemacht. Alle Priester wollten meine Verbannung, aber der Gouverneur antwortete, sie müssen mich anklagen, und der Richter wird sagen, ob ich etwas verbrochen habe. Das wollten sie nicht, sonst es wäre schlimmer geworden. Deswegen und damit meine Eltern Ruhe hätten, verliess ich mein Vaterland. Ich war damals sehr, sehr krank ...

Nun bin ich wieder in einem freien Land und atme die freie Luft Europas."

Die Ullmersche Sammlung besteht nicht nur aus sieben Briefen und zwei Postkarten sowie einer Originalausgabe des "Noli", sondern auch aus mehreren Bleistiftzeichnungen und Aquarellen. Die Bleistiftzeichnungen zeigen den Knaben Fritz, die Iphigenie der griechischen Mythologie, einen römischen Krieger mit Schwert, zwei Gesichter sowie ein deutsches Mädchen mit langen Haaren, wahrscheinlich Etta. Außerdem ist da eine lustige Karikatur in Tinte, die einen jungen Mann darstellt, der sich vor einer Dame verbeugt und dabei alle Dinge hinter sich verwüstet einschließlich der Deckenlampe. Sehr interessant ist eine komische Darstellung in Wasserfarben mit dem Titel: "Die Taufe des R. Pfeiffer zu Heiligkreuzschönau". Zwei Knaben beschlossen, die Schule zu schwänzen und einige Äpfel zu stehlen, um sie in einen Bach zu werfen. Einer der beiden fiel dabei ins Wasser, und sein Freund Fritz half ihm heraus. Rizal hat dies wohl gezeichnet, um dem Knaben Fritz Ullmer eine Freude zu machen. Ebenso befinden sich in der Sammlung einige Zeitungen mit Artikeln über Rizal von Pfarrer Ullmer und ein unveröffentlichtes Gedicht des Pfarrers über unseren Heros. Ein Vers aus Maria Claras Lied "Wie süß ist es, für's Vaterland zu sterben" ist am Ende dieses Gedichts zitiert.

All diese Andenken an Rizal, die sich im Besitz der Familie Hack befinden, werden jetzt in der hölzernen Truhe aufbewahrt, in die sie Pastor Ullmer und Friedrich ursprünglich hineingelegt hatten. Es war sehr ermutigend zu entdecken, dass unser Nationalheld von zwei jungen Deutschen verehrt wird, die durch ihres Großvaters Erzählungen begeistert wurden.  Hans, der Jurastudent, erinnert sich, wie er einmal als kleiner Junge mit dem "Noli" in der großväterlichen Bibliothek spielen wollte. Der alte Mann nahm ihm das Buch jedoch weg und sagte: "Dies ist ein kostbares Buch. Wenn Du älter bist und damit sorgfältig umgehen kannst, will ich es Dir geben." Die jungen Männer verstanden erst den vollen Sinn der Worte ihres Großvaters, als sie von Pfarrer Weber über die Bedeutung unserer Nachforschungen informiert wurden.

Am selben Abend leiteten Pastor Weber und mein Mann die Anbringung der Rizal - Tafel an der Hauswand unter dem Fenster des Zimmers, in welchem Rizal vermutlich gewohnt hatte. Die Arbeit geschah bei Licht und strömendem Regen unter Schirmen. Ein junger Freund des Pastors, der in der Nähe wohnte, machte die Befestigung gut und verweigerte jede Bezahlung. Pfarrer Weber hatte ihm erzählt, wer Rizal war und wie der junge Filipino dazu kam, in diesem Haus vor 74 Jahren zu wohnen; wie diese beiden Besucher (er meinte uns) im Namen ihrer Regierung die Plakette weither von Paris gebracht hätten und was für eine Auszeichnung dies alles für Wilhelmsfeld sei! Später am Abend sandte Pfarrer Weber dessen Frau Blumen und eine Flasche Wein.

Am nächsten Tag war ein Sonntag, und wo konnten wir zur Messe gehen? Pastor Weber griff nach dem Telefon, und gleich war der katholische Pfarrer im 5 km entfernten Altenbach am Apparat. Der Pastor selbst hatte ebenfalls dort Gottesdienst in der Protestantischen Kirche zu halten, und so fuhren wir los. Beide Gottesdienste begannen um 8.30 Uhr. Der Pastor übergab uns auf der Kirchentreppe dem wartenden Priester. Wir wurden zu Ehrensitzen auf der linken Altarseite geleitet. Die deutsche Predigt verstanden wir zwar nicht, aber wir hörten die Worte "Philippinen" und unsere Namen. Obwohl es ein trüber Regentag war, war die Kirche überfüllt. Zwei riesige, beleuchtete Christbäume standen zu beiden Seiten des Altars. Es war schön, als alle "Stille Nacht" sangen, in Deutsch, wir in Englisch. Ich habe nie das "Silent Night" ("Stille Nacht", d. Hrsg.) schöner singen hören.

Nach der Messe holte uns Pfarrer Weber wieder ab, er und der Priester begrüßten sich herzlich, mitten im Regen: Wie Pastor Ullmer und Pfarrer Bardorf, dachten wir.

Um 10 Uhr waren wir zurück in Wilhelmsfeld, und Pastor Weber lud uns als seine Ehrengäste in seine Kirche ein. Wir beobachteten ihn bei der Predigt; sein Gesichtsausdruck, seine Gesten und der Ton seiner Stimme zeigten, dass er ein guter Redner war, der einen ausgezeichneten Politiker abgegeben hätte. Ein großer Teil seiner Predigt war Rizal gewidmet. Er erklärte uns hinterher, er habe der Gemeinde gesagt, welche Bewandtnis es mit diesen beiden Freunden aus einem weit entfernten Land habe und wie diese nicht vergessen hätten, Messe und Gottesdienst zu besuchen trotz des düsteren und regnerischen Sonntags.

Am Nachmittag fuhr uns Pastor Weber wieder zum Heim der Familie Hack zum Tee. Das war nun die Gelegenheit, über den Erwerb der Ullmerschen Sammlung zu sprechen. Unsere Erfahrung in solchen Dingen war gleich Null, und wir wussten nicht, wie wir beginnen sollten. Mein Gatte schnitt das Thema diplomatisch an. Er könne verstehen, sagte er, welch großen Gefühlswert diese Sammlung für die Hacks habe, und er hoffe, sie könnten ermessen, dass diese den gleichen Wert für die Philippinen hätte. Diese Erinnerungsstücke seien ein Teil der Geschichte unserer Nation. Die Familie Hack würde einsehen, dass wir ein legitimes Interesse haben müssten, diese Gegenstände zu erwerben, um das Gedächtnis an unseren Nationalhelden zu verewigen. Es sei ein glücklicher Umstand, dass der Name Ullmer unzertrennlich mit diesem Gedächtnis verbunden werde, und die Sammlung würde - so hofften wir - einen würdigen Platz im José - Rizal - Memorial - Museum finden, der Name Ullmer würde dort unzerstörbar eingeprägt. Es würde den Hacks nichts verloren gehen, da sie dafür Fotokopien bekämen. Würden sie vielleicht eine Geldsumme annehmen?

Die Antwort war vornehm: Sie wollten kein Geld. Sie möchten lieber die Sammlung persönlich dem philippinischen Volke schenken als Gabe der Familie. Und sie erinnerten daran, dass Rizal den Pastor Ullmer als Gast auf die Philippinen eingeladen hatte. Wir sagten, wir hielten diese Idee für gut und hätten ähnlich gedacht. Wir würden dies der Rizal - Kommission in Manila mitteilen. - Welch eine Erleichterung, nicht feilschen zu müssen.

So kam es, dass die beiden Urenkel Pastor Ullmers auf Einladung der philippinischen Regierung im März (1960, d. Hrsg.) die Reise nach Manila antraten, um die Ullmersche Sammlung persönlich der José  - Rizal - National - Centennial - Commission zu übergeben. Während ihres Aufenthalts in unserer Stadt waren sie Hausgäste Dr. Leoncio Lopez - Rizals als Erwiderung für seines Onkels Aufenthalt im Hause des Urgroßvaters der beiden in Wilhelmsfeld 74 Jahre zuvor. Rizal und Pastor Ullmer - wo immer sie jetzt sein mögen - haben sich sicher sehr gefreut über solch ein Zusammentreffen.

Wir beendeten unsere Transaktion, wenn man das so nennen mag, am 3. Januar. Es regnete wieder stark, und wenn das Wetter nicht besser würde, müssten wir die Enthüllung der Gedenktafel verschieben. Aber früh am Morgen des 4. Januar lugten Sonnenstrahlen über die Berge. Pastor Weber war glücklich, und wir beide dachten, Rizal habe ein gutes Wort im Himmel eingelegt. Frau Weber hatte die Tafel mit einer Girlande geschmückt und Tannengrün auf den nassen Boden darunter gelegt. Mit einiger Schwierigkeit konnten wir - sie und ich - eine Vase an der Steinmauer befestigen, um nachher einen Strauß weißen Flieders unter der Tafel darzubringen.

Als die Sonne aufstieg, war es ein schöner Frühlingstag. Frau Hack und ihre beiden Söhne kamen aus Heidelberg; Landrat Steinbrenner und seine Gattin fuhren mit ihrem Mercedes vor. Eine Menge Leute kam aus dem Dorf. Während alles Volk zuschaute, zog ich die Leine des Vorhangs, und die Rizal - Tafel erschien in vollem Licht. Pastor Weber feierte den großen Filipino in einer Ansprache, gefolgt von Landrat Steinbrenner, der Rizal und sein Heimatland lobte, dass Wilhelmsfeld so zu Ehren gebracht hätten. Dann sprach mein Mann (Minister Mendez, d. Hrsg.) Worte des Dankes an alle Anwesenden, und die Wilhelmsfeld Story José Rizals war vollendet.                                               

 

Enthüllung der 1. Rizal - Gedenktafel in Deutschland

     4. Januar 1960: Enthüllung der Rizal-Tafel durch Frau Prof. Mendez (m.Handtasche), im Beisein ihres Mannes, Mauro Mendez, Frau Hack (rechts vor d.Tafel) und ihrer beiden Söhne, Fritz (links v.d.Tafel) und Hans (an der Hausecke), daneben Landrat Steinbrenner und Sohn, Pfarrer Gottlob Weber (2.v.rechts), seiner Frau (links v.Landrat) und Sohn Rainer (1.v.rechts), eines Ratsschreibers und eines Gemeinderechners 

Epilog:                                            

Dies galt nur, was meine Nachforschungen betraf. Im März 1960 kamen Fritz und Hans (Hack, d.Hrsg.) durch unsere Bemühungen nach Manila und brachten Blumen aus Heidelberg mit, die sie am Rizal - Denkmal niederlegten. Sie überreichten die Rizal - Erinnerungsstücke dem (damaligen, d.Hrsg.) Präsidenten Carlos P. Garcia und verbrachten eine sehr schöne Zeit mit ihren Gastgebern Dr. Leoncio Lopez - Rizal und seinen Kindern.

Auf unsere Anregung wurde Pastor Weber (von der philippinischen Regierung, d. Hrsg.) zur Jahrhundertfeier für Dr. Rizal eingeladen und hatte einen glücklichen Aufenthalt in Manila. Er ist ein begeisterter Rizal - Kenner geworden. Er empfängt zahllose philippinische Besucher in Wilhelmsfeld und veranstaltet zu den Nationalfeiertagen am 19. Juni (Rizals Geburtstag, d.Hrsg.) und am 30. Dezember (Rizals Todestag, d.Hrsg.) Feiern. Er hat sein Dorf "Noli Village" genannt und veranlaßt, dass eine Straße (die am Pfarrhaus vorbeiführende, d.Hrsg.) nach José Rizal benannt wurde (1964).

Seine zweite Reise auf die Philippinen im Jahr 1973 unternahm er zusammen mit seiner Frau. Sie hatten eine beglückende Zeit dort.

Fritz und Hans sind jetzt verheiratet; Dr. Fritz Hack ist Herzspezialist in Heidelberg, Dr. Hans Hack Jurist in Köln.

Soweit der Bericht von Frau Prof. Mendez.

Die beiden Brüder Hack sowie Pfarrer Weber wurden mit dem höchsten Orden der Philippinen, dem Ehrwürdigen Orden von Sikatuna, ausgezeichnet und in den Rang eines Commanders der Rizal - Ritter erhoben.

Nachwort des Herausgebers:

Aus dieser aufgedeckten Quelle der Rizal - Geschichte ist inzwischen ein Strom geworden. Die "Wilhelmsfeld Story" wurde in philippinischen Zeitungen veröffentlicht und fand begeistertes Interesse. Journalisten kamen, auch als Gäste der deutschen Bundesregierung, und berichteten daheim in ihren Blättern. Eine wahre Pilgerfahrt führte zahlreiche führende Persönlichkeiten aus allen Teilen der Philippinen nach Wilhelmsfeld, um ihre "pilgrimage" zu Rizal in Deutschland zu machen. Autobusse brachten auch junge Menschen, so Theologiestudenten aus Rom und in Deutschlands Kliniken arbeitende philippinische Krankenschwestern. Das Bild José Rizals und die Bedeutung seines mehr als fünfzehnmonatigen Aufenthalts in Deutschland vom 8. Februar 1886 bis zum 1. Juni 1887 - außer der Heidelberger und Wilhelmsfelder Zeit verbrachte er zwei Monate in Leipzig und sechs Monate in Berlin, dazu kamen eine ausgedehnte Rheinreise sowie kürzere Besuche in Leitmeritz, München und Stuttgart - wurden immer deutlicher und eindrücklicher, hatten ihn doch schon zu seinen Lebzeiten seine Landsleute den "Doctor Aliman", den "deutschen Doktor", genannt. Prof. Dr. Hermogenes E. Bacareza bezeichnet ihn in seiner grundlegenden "Geschichte der philippinisch - deutschen Beziehungen" (Quezon City 1980, S. 65 - 77) als den "Initiator der philippinisch - deutschen Kulturbeziehungen". Mehr als irgendjemand anderes hat Rizal eine geistige Brücke zwischen den Philippinen und Deutschland und den Wissenschaftlern beider Länder geschlagen, die bis heute Bestand hat. Eine ausführliche Darstellung von Rizals Deutschlandaufenthalt gibt Benjamin B. Domingo in seinem Buch "Rizal in Germany" (Manila, 2. Auflage 1983).

 

1. Journalistenbesuch aus Manila in Wilhelmsfeld

  28. März 1960: Auf Einladung des Bundespresseamtes Bonn: Der 1. Journalistenbesuch von den Philippinen in Wilhelmsfeld: v. links: Matias L. Marbella (v. Manila Chronicle), Juan A. Perez Jr. (v. National Press Club of the Phil.), Pfarrer Gottlob Weber, Oscar Villadolid (v. The Manila Daily Bulletin), Leon D. Ty (v. The Examiner) und Landrat Georg Steinbrenner

 

Schon während seines Studiums in Madrid 1884 hatte sich Rizal mit der deutschen Geschichte, insbesonders dem Leben Karls des Großen, beschäftigt und einen Deutschlandaufenthalt geplant. Auch sein Lehrer in Paris, Professor Louis de Wecker, war ein gebürtiger Deutscher, er stammte aus Frankfurt am Main. Warum Rizal nach seinen Studien in der französischen Metropole zunächst Heidelberg wählte, um hier an der neueröffneten Universitätsaugenklinik unter Prof. Dr. Otto Becker seine Erfahrungen in der Diagnose von Augenkrankheiten zu vervollkommnen, wissen wir nicht. Ob es die Schönheit der Landschaft war? Jedenfalls nutzte er diese Zeit auch sehr intensiv, um die deutsche Sprache zu lernen und binnen kurzer Zeit vorzüglich in Wort und Schrift zu beherrschen. Davon zeugt die Bitte an Pfarrer Ullmer, in dessen Haus aufgenommen zu werden. In der seinen Landsleuten eigenen liebenswürdigen und kontaktfreudigen Art gelang es ihm leicht, echte Freunde zu finden und dadurch auch Einblicke in die deutsche Lebensart zu gewinnen. Bei jeder nur möglichen Gelegenheit suchte er die Begegnung mit der deutschen Kultur und Wissenschaft, sei es auf seinen Reisen, wo er sich bedeutende Kunstdenkmäler aus alter und neuer Zeit ansah und seine Eindrücke in Tagebüchern und Briefen festhielt, sei es bei der Lektüre deutscher Dichtung - er übersetzte Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" in seine Muttersprache, das Tagalog, - oder in dem Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse mit deutschen Gelehrten.

In Berlin ließ er 1887 seinen ersten Roman "Noli me tangere" drucken, der für die Geschichte seines Vaterlandes und sein weiteres Leben so bedeutungsvoll werden sollte. Hier übersetzte er mehrere wissenschaftliche Aufsätze und Bücher aus dem Deutschen ins Spanische und wurde - auf Vorschlag von Prof. Dr. Rudolf Virchow - Mitglied der berühmten Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte sowie der Geographischen Gesellschaft. Wie sehr Dr. Rizal die deutsche Wissenschaft schätzte, geht aus einem Brief an den bedeutenden österreichischen Ethnologen Ferdinand Blumentritt hervor: "Dank der deutschen Wissenschaftler erlangen wir erst genaue Kenntnisse über unser Land, und wäre alles in unserem Land zerstört und wir wünschten die historische Genauigkeit bestimmter Fakten zu belegen, wir müssten nach Deutschland kommen und nach diesen in deutschen Museen und Büchern suchen."

Inzwischen sind hundert Jahre vergangen, seit Dr. Rizal deutschen Boden betreten hat, und fünfundzwanzig Jahre, seit die deutsch-philippinische Freundschaft in Wilhelmsfeld und Heidelberg von neuem - mit veranlasst durch die Initiative Pfarrer Gottlob Webers - geknüpft wurde. Etwa zweitausend philippinische Besucher haben sich inzwischen in den Gästebüchern in Wilhelmsfeld verewigt. Höhepunkte dieser wahrhaft erstaunlichen Geschichte sind nicht nur die alljährlichen Rizal - Feiern an der Universitäts - Augenklinik in Heidelberg und am Wilhelmsfelder Pfarrhaus unter Mitwirkung der Philippinischen Botschaft in Bonn und der Deutsch - Philippinischen Gesellschaft in Mainz am 19. Juni, dem Geburtsjahr Rizals, und am 30. Dezember, seinem Todestag. Ein alter Sandsteinbrunnen mit hübschen Ornamenten, aus dem Rizal getrunken hatte, wurde auf Wunsch der philippinischen Regierung vom Pfarrhof in Wilhelmsfeld in den Rizal - National - Park in Manila gebracht und von dem damaligen deutschen Botschafter Johann Karl von Stechow am 30. Dezember 1964 in einer öffentlichen Feier übergeben. Ein Goldkarpfenteich umgibt diesen Brunnen, ein Obelisk erklärt in mehreren Sprachen seine Herkunft und Bedeutung. 

                                                                     

Am 30. Dezember 1964 wurde der Pfarrhaus - Brunnen aus Wilhelmsfeld, aus dem José Rizal während seines Aufenthaltes bei Pastor Ullmer getrunken hatte (1886), im Luneta - Park in Manila in einer Feierstunde übergeben.   Rechts der Obelisk, der in engl., deutscher und in phil. Sprache die Geschichte des Brunnens aus Wilhelmsfeld beschreibt.

In Wilhelmsfeld erinnert an seinen großen Gast eine überlebensgroße, sehr gut gelungene Rizal - Statue des bekannten philippinischen Bildhauers Prof. Anastacio Caeda, ebenso in schmuckvoller Umgebung mit weitem Blick über das Dorf errichtet. Franz - Josef - Weyand, der 1971 die Deutsch - Philippinische Gesellschaft in Mainz u.a. zur Pflege freundschaftlicher Kontakte zwischen Deutschland und den Philippinen und ihrer Bewohner, aber auch als eine geistige Heimat für die in der Bundesrepublik lebenden Filipinas und Filipinos gegründet hatte und deren erster Präsident bis zu seinem Tode am 26. Oktober 1975 war, plante schon Anfang der siebziger Jahre die Errichtung eines Rizal - Denkmals in Wilhelmsfeld. Seine Gattin und Amtsnachfolgerin, Rita Weyand, führt sein Werk weiter und konnte am 2. September 1978 die Statue in Anwesenheit des damaligen philippinischen Botschafters Gregorio G. Abad feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

In Heidelberg erinnern drei Gedenktafeln an Dr. Rizal. 

Die am Haus der ("alten") Universitäts - Augenklinik, Bergheimer Str. 20, trägt folgenden Text:

Dr. José Rizal

1861 - 1896

Philippinischer Nationalheld

Hier, Bergheimerstraße 20, praktizierte

Rizal Augenheilkunde von 

Februar bis August 1886 unter Prof.

Dr. Otto Becker, Direktor der

Universitäts - Augenklinik

Philippinische Botschaft

19. 6.1960

An dem Haus in der Karlstraße 16 befindet (=befand) sich folgende Inschrift:

Dr. José Rizal

1861 - 1896

Philippinischer Nationalheld

Rizal wohnte vom 3. - 17. Februar 1886

in diesem Gebäude, Karlstraße 16,

zwecks Studium an der Universität Heidelberg

Philippinische Botschaft

19. 6. 1960

(Tafel ist nicht mehr vorhanden!)

An dem Haus in der Grabengasse 12 (Universitätsplatz) kann man lesen:

Dr. José Rizal

1861 - 1896

Philippinischer Nationalheld

In diesem Gebäude (früher Ludwigsplatz 12)

wohnte Rizal vom 18. Februar 1886 - Juni 1886.

Sein Gedicht "An die Blumen von Heidelberg"

wurde hier am 22. April 1886 verfaßt

Philippinische Botschaft

19. 6. 1960

Am 19. Juni 1980 wurde eine Straße am Neckarufer unter Anwesenheit prominenter philippinischer und deutscher Gäste von dem Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Reinhold Zundel, "Rizal - Ufer" benannt.

Am 27. Dezember 1983 verstarb Pfarrer Gottlob Weber, der durch seine intensiven Nachforschungen erst die "Wilhelmsfeld Story" ermöglicht hatte. An ihn soll dieser Aufsatz besonders erinnern. Doch mit seinem Tod ist die herzliche Verbindung zwischen Wilhelmsfeld sowie Heidelberg und den Philippinen nicht abgerissen. In den letzten zwei Jahrzehnten haben viele Filipinas und Filipinos in der Bundesrepublik Deutschland eine neue Heimat gefunden und sind vor allem im Gesundheitswesen tätig.

Gruppen deutscher Touristen besuchen die Inselwelt der Philippinen, die Rizal in seinem in der Nacht vor seiner Hinrichtung am 30. Dezember 1896 verfassten Abschiedsgedicht "Mi Ultimo Adios" ("Mein letztes Lebewohl") "Kind der Sonne, Perle des östlichen Meeres, du unser verlorenes Eden!" genannt hat.

Zu den schönsten dichterischen Lobgesängen zu Ehren der Stadt Heidelberg darf wohl Rizals Gedicht "A Las Flores de Heidelberg" zählen, mit dem wir diesen Bericht schließen.

                                    José Rizal:

An die Blumen von Heidelberg

- übersetzt von Josef von Golitschek

Reist, fremde Blumen, reist zur Heimat hin,

euch schickt ein Fahrender nach Haus,

und unter ferner Himmelsglut,

wo meine Sehnsucht ruht,

richtet vom müden Pilger aus,

wie treu ich ihr ergeben bin.

 

Geht hin, erzählt, wie ihr im Schein

den erste Dämmerung gesandt,

den Blütenkelch geöffnet weit,

während er lange stand allein

am Neckar still an eurer Seit',

dem Frühling sinnend zugewandt.

 

Erzählt vom Morgenlicht,

das euch früh den Duft stahl

(sang es doch so süß vertraut

die Melodie, die Herzen bricht),

wie er da auch von Liebesqual,

geflüstert in der Heimat Laut.

 

Wenn auf den Königsstuhl die Sonne dann

goß ihre gold'ne Spur,

die still ins Tal herniederrann,

sanft wärmend Wald und Flur,

wie grüßt' er sie, die hier sich kaum erhoben,

während zu Haus sie loht vom Zenith droben!

 

Erzählt, wie er am heut'gen Tag

vor seiner Schloßruine stand

am Neckarstrom im schatt'gen Hag

und pflückte euch am Wegesrand.

Erzählt auch, wie er euch beschwor,

als er gepreßt so zart

der welken Blätter stillen Chor

ins schöne Buch, das er bewahrt.

 

Tragt, Blumen, seine Liebe fort

als Segensgruß an alle dort:

Friede dem Land - von Früchten voll -,

das Kraft den Söhnen schenken soll.

Die Tugend sei der Töchter Hort!

Sie alle grüßt, die mir so lieb,

die niemand in die Fremde trieb.

 

Kommt ihr an jene Küste dann,

sorgt, dass der Kuß, der Kuß von heut,

als Samenkorn vom Wind verstreut,

dort keimen, wachsen, wuchern kann,

umarmend, was ich bete an.

 

Doch weiß ich es, kommt ihr in jenes Land

und zeigt dort eurer Farben Pracht,

ist längst verweht am Neckarstrand

 dann euer Wohlgeruch ... der Duft entschwand ...

Den Ort verläßt auch eure Seele nicht,

wo sie erblickt der Sonne Licht.

 

 

 

19. Juni 2010: Rizals 149.Geburtstag, 

Feier des 50 Jahre Jubiläums der Beziehungen Philippinen - Wilhelmsfeld, 

Enthüllung der renovierten 2. Rizal - Gedenktafel am evangelischen Pfarrhaus in Wilhelmsfeld

 

Während einer harmonischen, sehr gut besuchten Feierstunde am evangelischen Pfarrhaus in der José - Rizal - Strasse wurde am 19. Juni 2010 die erneuerte und an der Mauer des Pfarrhauses angebrachte  Rizal - Gedenktafel von Lady Jane Mushake, der Frau des im vorigen Jahr verstorbenen großen Rizalisten, Alexander Mushake, enthüllt. "Dr. José Rizal ist damit zum zweiten Mal nach Wilhelmsfeld zurückgekehrt."

 

Lady Jane Mushake hat gerade die renovierte José - Rizal Gedenktafel feierlich enthüllt, während Sir Rainer Weber, Sohn von Pfr. Gottlob Weber und Kommandant des Wilhelmsfeld - Heidelberg Chapters, die Blumen, gespendet von den Ladies und den Knights of Rizal des Wilhelmsfeld - Heidelberg Chapters, an der Gedenktafel niederlegt. Im Hintergrund ist das Pfarrhaus zu  sehen.                         

 

Text auf der Rizal - Gedenktafel: JOSE RIZAL   1861 - 1896  Nationalheld der Philippinen vollendete den letzten Teil seines Romans:  NOLI ME TANGERE in diesem Haus als Gast von Pfarrer  Ullmer          1960    -    1886      -     2010  

 

Gäste und einige Knights of Rizal des Wilhelmsfeld - Heidelberg Chapters vor der renovierten Rizal - Gedenktafel am 19. Juni 2010: linke hintere Reihe: zweiter und dritter v. links: Sir Don Brennock aus Dublin (Irland) und Sir François Ooms (Brüssel, i.V. aller belgischen Chapter), vor ihnen Sir Celso Lacuna aus Bonn. Rechte vordere Reihe: Sir Rainer Weber, Chapter Commander, und der Webmaster Sir Ulrich Freytag, Stellvertr. Chapter Comm. (am Rollator).

 

|Vorbemerkung d.Hrsg.|   |Beginn d. Wilhelmsfeld Story|  | 1.Reise v.Ehepaar Mendez |    | Friedrich Ullmer erinnert Rizal | |2.Reise v.Ehepaar Mendez n. Wilh. |  | Noli - Buch |  | Die Ullmer- Sammlung |   | Anbringung der.Rizal-Tafel | | Enthüllung der Rizal-Tafel | |Epilog v.Frau Mendez | | Nachwort d.Hrsg. |  |Rizal-Park i.Wilhelmsfeld |  | Rizal-Gedenktafeln in Heidelberg |  | An die Blumen von Heidelberg|  | 19.06.2010 Feier 50 Jahre Philippinen - Wilhelmsfeld |     


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           Dr. José Rizal in Heidelberg und in Wilhelmsfeld (1886)

 und Nachruf (Obituary) für Dr. José Rizal von Prof. Virchow (1897):

 

| José Rizal in Heidelberg & Wilhelmsfeld & Knights of Rizal, Wilh.-Heid. Chapter     (Versammlungen/Meetings in Wilhelmsfeld) I

| Rizal in Heidelberg and in Wilhelmsfeld (part II) |

| Rizal's letters from Heidelberg I | Rizal's letters from Heidelberg II

| Flores de Heidelberg (Engl.-Deutsch) - Gedicht von J.Rizal

| Rizal's letters to Pastor Ullmer, Wilhelmsfeld, 1886-88|

| Prof. Virchow: Obituary for Dr. José Rizal (1897)

| Prof. Virchow: Nachruf für Dr. José Rizal (1897)|

    

      Knights of Rizal - Wilhelmsfeld-Heidelberg Chapter und

             der Rizal-Park in Wilhelmsfeld (Odenwald):

 

| Wilhelmsfeld - Heidelberg - Chapter 2010 - 2012 (Vorstand)|

| Meetings/Treffen der Knights of Rizal des Wilhelmsfeld-Heidelberg Chapters|

| Supreme Commander in Wilhelmsfeld 2001|

| Rizalfeier zum 141.Geburtstag/Wilhelmsfeld 2002|

| 25 Jahre Rizal-Park, Wilhelmsfeld, 1978-2003

| Rizals 146. Birthday - 10 Years Wilhelmsfeld-Heidelberg Chapter (June 17,2007)|

|50 Years Philippines - Wilhelmsfeld: "The Wilhelmsfeld Story" by Dr.P.Mendez|

|Correspondence Dr.Paz Mendez concerning Rizal's stay in Wilhelmsfeld (1959)| NEW!!!

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|Rizal - Flyer for your information about the Rizal - places in Heidelberg and in Wilhelmsfeld| NEW!! NEU!!

last update:  Oct. 18,'10                                                                                          


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